Gemeinsam wachsen - die Kraft von Gruppenarbeit im Coaching-Prozess | Ansätze, Methoden & Beispiele
- hartmut keding

- 25. Nov. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Jan.
Gruppenarbeit im Coaching mit Team-Organisationen ist kein „nice to have“, sondern ein kraftvoller Entwicklungsraum, in dem kollektive Kreativität, Reflexion und echte Veränderung sichtbar werden. Diese Form der Gruppenarbeit im Coaching-Prozess ist mehr als nur eine 'Methode zur Problemlösung'. In einer vernetzten, komplexen Arbeitswelt wird die Fähigkeit, effektiv im Team zu denken und zu handeln, zu einer Schlüsselkompetenz für zukunftsfähige Organisationen.

Die Bedeutung von Gruppenarbeit im Coaching
Gruppenarbeit im Coaching-Prozess fördert nicht nur den Austausch von Ideen, sondern insbesondere das Lernen voneinander. Wenn Menschen in Gruppen arbeiten, bringen sie unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und blinde Flecken ein, was zu produktiveren und tragfähigen Lösungen führt.
Im systemischen Business Coaching wird die Gruppe als eigenes System verstanden:
Mit Mustern, unausgesprochenen Regeln und Ressourcen, die im gemeinsamen Prozess sichtbar werden. So stärkt Gruppenarbeit sowohl den Einzelnen als auch das Team als Ganzes – und wirkt hinein in die Kultur der Kundenorganisation. Diese Dynamik ist die Essenz der Kultur.
Förderung von Kreativität und Innovation
Kreativität beginnt im Kopf des Einzelnen. Innovation entsteht, wenn Ideen im System aufgegriffen, weiterentwickelt und umgesetzt werden. Gruppenarbeit im Coaching bildet genau das ab:
Sie verbindet individuelle Geistesblitze mit kollektiver Reflexion und gemeinsamer Verantwortung für Veränderung.
Methoden wie die Walt-Disney-Methode, die Sternanalyse, die Upside-Down-Methode oder die SWOT-Analyse lassen sich im Team besonders wirkungsvoll einsetzen. Sie helfen dabei, gewohnte Denkbahnen zu verlassen, Risiken bewusst anzuschauen und Chancen klarer zu erkennen – und aus Kreativität konkrete Innovationsschritte abzuleiten.
Stärkung von Gemeinschaft und Zugehörigkeit
Gruppenarbeit schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit. Wenn Menschen miteinander an Zielen, Herausforderungen und Lösungswegen arbeiten, wachsen Vertrauen und gegenseitige Unterstützung. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist ein zentraler Erfolgsfaktor für nachhaltige Veränderung im Coaching-Prozess.
Gleichzeitig entsteht psychologische Sicherheit: Ein geschützter Raum, in dem auch Zweifel, Konflikte und Unsicherheiten ausgesprochen werden dürfen, ohne dass jemand „das Gesicht verliert“. Genau diese Offenheit ist die Grundlage dafür, dass Teams lernen, anders miteinander zu sprechen – und damit auch anders miteinander zu arbeiten.
Die Rolle des Coaches in der Gruppenarbeit
In meinem Verständnis spielt der Coach spielt eine entscheidende Rolle im Gruppenprozess. Er oder sie ist Facilitator, Prozessbegleiter und Rahmensetzer – nicht die Person mit den fertigen Antworten. Die Aufgabe ist es, einen sicheren Rahmen zu schaffen, in dem das Team eigene Lösungen entwickelt und Verantwortung für die Veränderung übernimmt.
Im systemischen Teamcoaching achte ich als Coach sowohl auf individuelle Anliegen als auch auf Dynamiken im Team und Einflüsse der Organisation. Über systemische Fragen, Perspektivwechsel und das bewusste Arbeiten mit Stärken, Stressoren und Kontext mache ich Muster sichtbar, die sonst im Alltag unbewusst bleiben würden. Im Diskurs, in der Gruppe.
Unterstützung bei der Zielsetzung
In Gruppenprozessen unterstützt ein Coach Teams dabei, gemeinsame Ziele zu entwickeln, die klar, erreichbar und anschlussfähig an den Alltag sind – oft nach dem SMART-Prinzip. Dieser Prozess der gemeinsamen Zielklärung ist bereits ein wichtiges Lernfeld: Ziele werden nicht „von oben“ verordnet, sondern als Teamauftrag verstanden. Im systemischen Coaching Prozess ergänze ich dieses SMART-Prinzip um ein E für emotional tragbar und eigenverantwortlich erreichbar. Ich verwende das S.M.A.R.T.E.-Prinzip.

Zusätzlich können hierbei Methoden wie SWOT helfen, ein Ziel zu konkretisieren und auf Realisierbarkeit zu prüfen. Das Team reflektiert gemeinsam Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken und leitet daraus konkrete Strategien und nächste Schritte ab. So entsteht aus der abstrakten Zieldefinition ein lebendiger, geteilter Handlungsplan.

Konfliktlösung und Kommunikation
In jeder Gruppe können Konflikte auftreten – und tun es auch. Systemisches Coaching mit einem Team / einer Gruppe versteht diese Spannungen nicht als Störung, sondern als wertvolle Information über das System. Ich begleite als Coach das Team dabei, Konflikte anzusprechen, zu verstehen und in Entwicklung zu übersetzen, statt sie zu vermeiden.
Sprachliche Interventionen wie der Wechsel von „Ja, aber…“ zu „Ja, wenn…“ oder „Ja, und…“ unterstützen eine konstruktivere Kommunikation. Auf diese Weise werden verklausulierte Neins sichtbar und in Bedingungen, Optionen und konkrete nächste Schritte verwandelt. Das verändert die Qualität von Gesprächen – im geschützten Coachingraum primär und später im Arbeitsalltag ebenso.
Praktische Beispiele für Gruppenarbeit im Coaching
Um die Vorteile von Gruppenarbeit im Coaching-Prozess greifbar zu machen, lohnt sich ein Blick auf konkrete Einsatzfelder in Kundenorganisationen. Hier eine erste Auswahl an Beispielen.
Beispiel 1 - Team-Entwicklung im Führungskreis
Ein Unternehmen führt ein Coaching-Programm für seine Führungskräfte ein. In mehreren Workshops arbeiten sie in Gruppen an Fragen zu Führung, Kultur und Zusammenarbeit.
Mit der Walt-Disney-Methode entwickeln sie eine gemeinsame Vision für Führung – zuerst träumend (Visionär), dann konkret planend (Realist) und schließlich prüfend (Kritiker).

Im Anschluss nutzen sie die Sternanalyse, um Risiken der geplanten Maßnahmen zu identifizieren und „Wie könnte es trotzdem gehen?“-Wege zu erarbeiten.

Das Ergebnis: Eine gemeinsam getragene Führungslandkarte mit konkreten Verabredungen, die aus dem Team heraus entsteht - und daher im Alltag deutlich stärker gelebt werden kann.
Beispiel 2 - Kreativitäts- und Innovationsworkshop
In einem Kreativitätsworkshop entwickelt ein interdisziplinäres Team neue Produkt- oder Serviceideen.
Mit der Upside-Down-Methode (Kopfstandmethode) beschreibt das Team zunächst überspitzt, wie ein Produkt oder Prozess garantiert scheitert – um anschließend für jeden Punkt das kreative Gegenteil zu finden.

Anschließend prüft das Team mit einer SWOT-Analyse, welche Ideen strategisch sinnvoll sind und wie Risiken mit vorhandenen Stärken abgefedert werden können.
So entstehen nicht nur viele Ideen, sondern ein klarer Fokus auf die innovativsten und zugleich umsetzbaren Ansätze.
Beispiel 3 - Kollegiale Fallberatung (Intervision) im geschützten Raum
Ein Bereich etabliert eine feste Gruppe von 6–8 Führungskräften, die sich alle vier bis sechs Wochen zur kollegialen Fallberatung treffen.
In jeder Sitzung bringt eine Person einen aktuellen Fall ein (z.B. Konflikte im Team, Rollenunklarheit, Veränderungsdruck)
Die anderen stellen zunächst nur klärende Fragen, wechseln dann in eine Beratungsphase und bieten systemische Perspektiven und Ideen an, während der Fallbringer zuhört
Anfangs moderiert der externe Coach den Prozess und achtet auf Struktur, Rollen und systemische Haltung; später kann die Gruppe die Methode selbstständig anwenden. So entsteht ein nachhaltiger Lern- und Reflexionsraum in der Organisation.
Beispiel 4 - Arbeit mit Teamdysfunktionen nach Patrick Lencioni
In einem Team, in dem Spannungen spürbar sind, aber wenig offen angesprochen wird, arbeitet der Coach mit dem Modell der fünf Dysfunktionen eines Teams
(Vertrauensmangel, Konfliktvermeidung, fehlendes Commitment, Verantwortungs-vermeidung, Ergebnisorientierung).
Das Team schätzt sich auf jeder Ebene ein und benennt konkrete Situationen aus dem Alltag
Anschließend definiert es selbst Maßnahmen, etwa regelmäßige Retrospektiven, klarere Entscheidungskriterien oder explizite Ergebnisziele
Der Coach nutzt das Modell als Reflexionsrahmen, nicht als Bewertung – und unterstützt das Team dabei, eigene, passende Lösungen zu entwickeln.
Beispiel 5 - Systemische Aufstellungen mit dem Team
Mit Hilfe von Teamaufstellungen oder Visualisierungen (z.B. „Systemhaus“) macht der Coach Beziehungen, Spannungen und Ressourcen im Team sichtbar.
Das Team verortet Elemente wie Kunden, andere Abteilungen, Führung, Ziele und Stressoren räumlich
Anschließend werden alternative Bilder erprobt („Wie fühlt es sich an, wenn wir näher an den Kunden rücken?“), um neue Handlungsoptionen zu entdecken
So erlebt das Team Veränderung nicht nur kognitiv, sondern auch körperlich-emotional – ein wichtiger Hebel für nachhaltige Veränderung. Diese Methode benötigt eine systemische Vorarbeit und menschlich-psychologische Vorbereitung in den jeweiligen Teams, in denen sie Anwendung findet und empfiehlt sich nicht als Start in die systemische Arbeit.
Herausforderungen der Gruppenarbeit
Trotz der vielen Vorteile bringt Gruppenarbeit auch Herausforderungen mit sich. Unterschiedliche Persönlichkeiten, Hierarchieunterschiede, unausgesprochene Konflikte oder hoher Zeitdruck können Prozesse erschweren.
Ich achte in meiner Rolle als Coach intensiv darauf, dass extrovertierte Personen nicht dominieren und leise Stimmen bewusst Raum bekommen – etwa durch Kleingruppenarbeit, strukturierte Runden oder schriftliche Reflexionen. Klare Zeit-Strukturen, Visualisierungen und eine transparente Prozessführung helfen, die Gruppe auf Kurs zu halten, ohne die Tiefe der Arbeit zu verlieren.
Studien zeigen, dass Teamcoaching besonders wirksam ist, wenn es gezielt auf psychologische Sicherheit und Kohäsion abzielt – also darauf, dass sich Teammitglieder sicher fühlen, auch heikle Themen anzusprechen. Damit Gruppenarbeit tatsächlich Wirkung zeigt, ist es zudem wichtig, den Auftrag mit der Organisation klar zu klären:
Systemische Gruppenarbeit / Coaching öffnet Lern- und Entwicklungsräume, statt nur „Quick Fixes“ zu liefern.
Fazit und Ausblick
Gruppenarbeit im Coaching-Prozess bietet zahlreiche Chancen: Sie fördert Kreativität, stärkt Gemeinschaft und macht Veränderung zu einem gemeinsamen Projekt – statt zu einer individuellen Last. Ein effektiver Coach gestaltet Räume, in denen Teams ihre Themen offen auf den Tisch legen, neue Perspektiven gewinnen und konkrete Schritte für ihren Alltag ableiten können.
Wer Gruppenarbeit in seinen Coaching-Prozess integrieren möchte, kann mit kleinen Formaten beginnen: Zum Beispiel einem Workshop mit der Walt-Disney-Methode, einer ersten Sternanalyse im Führungsteam oder einer moderierten kollegialen Fallberatung.
Schritt für Schritt entsteht so eine Teamkultur, in der gemeinsame Reflexion, Mut zum Ausprobieren und echte Innovationskraft selbstverständlich werden.
Sprechen Sie mich gern darauf an, wie es sich für Ihre Organisation entwickeln und umsetzen lässt.
über den Autor: Als Change Practitioner und Systemischer Business Coach setze ich meine Energie dafür ein, die Welt offener, ruhiger und verständiger unter Menschen zu bereiten. himmelblau Coaching steht für professionelle Begleitung mit Weitblick – für Sie, Ihre Herausforderungen, Ihre Bedürfnisse, Motive und Ziele.





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