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Change hat keinen Autor – warum lebendige Organisationen laufende Begleitung brauchen statt einen ‚guten Plan‘

Change-Begleitung im Sinne von himmelblau ist keine Projektlogik, sondern eine Haltung:

Veränderung wird nicht gemacht, sie wird ermöglicht – in lebendigen sozialen Systemen, die sich selbst schreiben, Satz für Satz.​

Change ist ein Oxymoron - was ist ein Oxymoron? 😅


„Change Management“ klingt nach Planbarkeit, Steuerung, nach einem Zielbild, das sich wie ein Bauplan umsetzen lässt.

Doch Veränderung in Organisationen folgt anderen Gesetzen.

Ein Oxymoron ist ein Stilmittel des Widerspruchs. Es verbindet zwei widersprüchliche Begriffe miteinander als rhetorische Figur - zum Beispiel 'bittersüß / bittersweet' oder 'Ausnahmeregel' oder 'eile mit Weile'. So verhält es sich auch mit 'Change-Management' - Change lässt sich nicht managen, wie es Mark Poppenborg von intrinsify hier sehr treffend beschreibt:


Soziale Systeme sind komplex, vernetzt, eigensinnig – sie reagieren, statt sich einfach führen zu lassen.​

Systemisches Arbeiten geht daher nicht von einem „Macher“ der Veränderung aus, sondern von einer Vielzahl von Beobachter:innen, Perspektiven und Wirkkräften, die im Dialog stehen und sich wechselseitig beeinflussen.​

Aus dieser Perspektive wird „Change Management“ zum Oxymoron: Man kann Veränderung nicht managen wie eine Maschine, wohl aber begleiten wie eine Reise in unbekanntes Gelände.​



Planung in den Sand geschrieben


Am Anfang steht ein Bild, ein erstes Verstehen dessen, wohin eine Organisation sich bewegen möchte – und ja, dazu gehört eine sorgfältige Planung.​

Doch diese Planung ist, im Sinne einer systemischen Haltung, eine Hypothese: vorläufig, überprüfbar, verwerfbar – eher in den Sand am Strand geschrieben als in Stein gemeißelt.​

Mit jeder Welle neuer Informationen, Irritationen und Erfahrungen verändert sich das Bild im Sand:

Strukturen verschieben sich, Prioritäten ordnen sich neu, Beziehungen gewinnen oder verlieren an Bedeutung.​ Change-Begleitung bedeutet, genau mit dieser Vergänglichkeit zu arbeiten:

Pläne werden bewusst so gestaltet, dass sie justierbar bleiben, Entscheidungen werden reversibel gedacht, Lernschleifen werden eingeplant.​


Begleitung statt Steuerung


Systemisches Coaching beschreibt Begleitung als professionellen Rahmen, in dem Menschen ihre eigenen Ressourcen entdecken, deuten und in Handlung übersetzen können.​

Der Coach übernimmt Verantwortung für den Prozess, nicht für das Ergebnis – das Zielbild kommt aus dem System selbst, aus den Menschen, die mit ihren Geschichten, Werten und Konflikten anwesend sind.​

Übertragen auf Change heißt das:


  • Die Beteiligten werden zu Mitgestaltenden, nicht zu „Betroffenen“, deren Widerstand es zu brechen gilt

  • Führung wird zur dialogischen Praxis: Fragen, Spiegeln, Verdichten - statt Anweisen, Überzeugen, Durchsetzen

  • Probleme werden nicht nur auf der Sachebene bearbeitet, sondern ebenso in ihren Beziehungsdimensionen – denn ungelöste Konflikte blockieren jede noch so kluge Struktur


Change-Begleitung ist somit Arbeit am Bewusstsein: an Perspektiven, Bedeutungen, Narrativen, die bestimmen, wie eine Organisation sich selbst versteht und in Zukunft handeln will.​

Wellen der Veränderung – Change ohne Ende


In komplexen Umwelten sind „fertige“ Lösungen selten mehr als Momentaufnahmen. Schlecht strukturierte Probleme – jene, für die es kein eindeutig richtig oder falsch gibt – verlangen nach Kreativität, Experiment und iterativem Lernen.​ Systemisches Coaching stärkt genau diese Fähigkeiten: Problem-Sensibilität, Perspektivwechsel, gedankliche Flexibilität und den Mut, mit vorläufigen Antworten ins Handeln zu gehen.​


Change-Begleitung nimmt deshalb die Wellenbewegung ernst:


  • Nach jeder Intervention folgt Reflexion: Was hat sich tatsächlich verändert – im Verhalten, im Fühlen, im Denken, in der Zusammenarbeit?​

  • Hypothesen über das System werden immer wieder überprüft und neu formuliert, statt als Diagnose „festgeschrieben“ zu werden

  • Innovation entsteht dort, wo Menschen ermutigt werden, Routinen zu irritieren, „ja, wenn…“ und „ja, und…“ zu sagen, anstatt sich im „ja, aber…“ einzurichten


So wird aus Change kein Projekt mit Enddatum, sondern ein fortlaufender Entwicklungsprozess – so unabschließbar wie das Leben selbst.​


Eine Ethik der Change-Begleitung


Wer Change begleitet, greift in Lebens- und Arbeitswelten ein. Das verlangt mehr als Methodenkompetenz – es verlangt eine Ethik des Umgangs.​

Systemisches Arbeiten formuliert dazu klare Leitplanken: Allparteilichkeit, Respekt vor der Selbststeuerung des Systems, Transparenz über Rolle und Auftrag, bewusster Umgang mit Macht und Grenzen.​


Eine Ethik der Change-Begleitung im Sinne von himmelblau könnte sich in wenigen Sätzen verdichten:


  • Wertschätzung vor Wirksamkeit: Kein Ziel rechtfertigt den Verlust von Würde, Dialogfähigkeit oder innerer Stimmigkeit der Beteiligten

  • Ergebnisoffenheit vor Recht-Haben: Wer begleitet, vermeidet Heilsversprechen und gestaltet Räume, in denen Unerwartetes nicht als Störung, sondern als wichtige Information gilt

  • Verantwortung vor Einfluss: Jede Intervention wird daraufhin geprüft, ob sie die Selbstwirksamkeit der Menschen stärkt oder sie in Abhängigkeit führt


Die Einladung an Organisationen lautet daher: Versteht Change-Begleitung als gemeinsame Verpflichtung zu einem achtsamen, ehrlichen und mutigen Umgang miteinander – besonders dort, wo es unbequem wird.​

Dort, wo dieser Anspruch ernst genommen wird, wird aus Veränderung kein Steuerungsakt, sondern eine gelebte Ethik des Miteinanders, in der jede neue Welle nicht Angst macht, sondern die Möglichkeit eröffnet, gemeinsam ein Stück weiter ans offene Meer zu gehen.



über den Autor: Als Change Practitioner und Systemischer Business Coach setze ich meine Energie dafür ein, die Welt offener, ruhiger und verständiger unter Menschen zu bereiten. himmelblau Coaching steht für professionelle Begleitung mit Weitblick – für Sie, Ihre Herausforderungen, Ihre Bedürfnisse, Motive und Ziele.


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